Die Behandlung von Spastik mit THC
 
 
 
 
 

 

Kann Cannabis bei Spastik helfen?

 

Die Behandlung von Spastiken bzw. spastischen Bewegungsstörungen beschränkte sich im Rahmen der Schulmedizin bislang auf physiotherapeutische Maßnahmen, die Behandlung mit Botulinumtoxinen und den Einsatz von Medikamenten, die den Muskeltonus vermindern. Diese Medikamente dämpfen allerdings das zentrale Nervensystem ganz allgemein, so dass ihr Einsatz den Patienten müde macht und seine Aufmerksamkeit sowie Konzentrationsfähigkeit vermindert. Darüber hinaus wird der Muskeltonus allgemein verringert, so dass bei vielen betroffenen Patienten der (subjektive und oft auch objektiv nachweisbare) Eindruck der Kraftlosigkeit bzw. Schwäche entsteht. Sowohl Patienten als auch Therapeuten empfanden diese Situation zunehmend als unbefriedigend und suchten nach Auswegen. Einer dieser Auswege schien bereits seit längerer Zeit in der Anwendung von Cannabis-Präparaten zu bestehen, die von betroffenen Patienten mit unterschiedlichen, aber allesamt neurologischen Diagnosen mit gutem, z.T. sehr gutem Erfolg angewendet wurden. Zwar war vor einigen Jahren die Möglichkeit geschaffen worden, bei speziellen Erkrankungen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Ausnahmegenehmigung für den Anbau von Cannabispflanzen zu beantragen; diese Anträge wurden nach meinen Informationen jedoch nur in wenigen Einzelfällen tatsächlich gestellt und noch seltener positiv beschieden. Vielfach blieb den Betroffenen nur der Weg in die Illegalität mit der Gefahr der Strafandrohung wegen Besitzes von Betäubungsmitteln.

Seit dem 1. März 2017 besteht jedoch die legale Möglichkeit für Ärzte, die Patienten mit schweren Erkrankungen behandeln, diesen Cannabis-Präparate zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen zu verordnen. Grundlage hierfür ist das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften vom 6. März 2017, das am 9. März 2017 im Bundesgesetzblatt Teil I veröffentlicht worden ist.. Die wichtigsten Fakten zu dieser Neuregelung hat das Deutsche Ärzteblatt in seiner Ausgabe vom 24. Februar 2017 zusammengefasst. Allerdings scheint es so zu sein, dass den Ärzten die genauen Modalitäten der Verschreibung jedenfalls flächendeckend noch nicht bekannt sind (Stand: 16. März 2017).

Zwar ist die Durchführung dieser Neuregelung (wieder einmal) für die behandelnden Ärzte mit einem Mehraufwand u.a. an Bürokratie verbunden; dennoch ist zu hoffen, dass die mit der Gesetzesänderung verbundene Absicht des Gesetzgebers verwirklicht werden kann, die Behandlung schwer behinderter und/oder kranker Menschen entscheidend zu verbessern. Schließlich setzt sich in immer mehr Ländern die Erkenntnis durch, dass die Behandlung mit Cannabinoiden oft wirksamer und für den Patienten mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist als die mit chemischen Keulen.

Weitere Informationen über den Einsatz von Cannabis bzw. THC erhalten Sie über die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM). Kontakt